Das Objektiv
Die wichtigste Komponente, damit überhaupt ein Foto entstehen kann, ist das Objektiv. Es ist ein optisches System, das echte Gegenstände so abbilden kann, dass sie auf eine bestimmte Grösse passen. In der Fotografie wird diese Abbildungsgrösse durch den Film bzw. den digitalen Bildsensor vorgegeben.
Das Objektiv muss also für die jeweilige Abbildungsgrösse passen, was bei Kameras mit Wechselobjektiven durch das Objektivbajonett gegeben ist. Alle Objektive mit dem entsprechenden Anschlussbajonett passen drauf und füllen somit den gesamten Film oder Bildsensor aus – Objektive mit anderem Bajonett lassen sich in der Regel nicht anbringen.
Bei digitalen Kameras wird ausserdem durch einige Kontakte am Bajonett eine Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv hergestellt, damit Autofokus und Blende von der Kamera aus elektronisch gesteuert werden können. Besonders die Blendensteuerung ist heutzutage praktisch nur noch von der Kamera aus möglich, während die Schärfe (Fokus) bei Bedarf nach wie vor am Objektiv manuell eingestellt werden kann.
Ein weiterer Punkt ist die Korrektur von Abbildungsfehlern – jedes auch noch so hochwertige Objektiv hat sie, und einige davon (z.B. Vignettierung und Farbfehler) sollten grundsätzlich korrigiert werden.
Erkennt nun die Kamera das Objektiv richtig, macht sie das „von selbst“, wenn man es im Menu aktiviert, bzw. sie schreibt die Daten in die RAW-Bilddatei, so dass sie bei der anschliessenden Bearbeitung z.B. in Adobe Lightroom oder Photoshop direkt angewandt werden können. Fotografiert man im JPEG Modus, so wird diese Bearbeitung direkt in der Kamera ausgeführt.
Das funktioniert aber natürlich nur dann, wenn Kamera und Objektiv die gleiche Sprache sprechen, und die Kamera das entsprechende Korrekturprofil kennt. Ist es nicht bekannt, so kann es über die mitgelieferte Software auf die Kamera geladen werden, wenn es sich um ein Objektiv des Kameraherstellers handelt. Unseres Wissens unterstützen zumindest Canon und Nikon diese kamerainterne Korrektur, was aber nicht heisst, dass man verloren ist, wenn man eine andere Kamera und/oder ein Objektiv eines Drittherstellers verwendet.
Hier gibt es eine Liste aller in Adobe Lightroom und Photoshop verfügbaren Objektivprofile
Letztendlich ist es also „nur bequemer“, wenn die Kamera das richtige Objektiv schon mitteilt, so dass es z.B. beim Import in Lightroom direkt angewandt werden kann. Der grosse Vorteil ist jedoch, dass in einem Importvorgang alle erkannten Objektive direkt automatisch korrigiert werden können – nach ausgiebigen Fototouren mit mehreren Objektivwechseln weiss man dies schnell zu schätzen. Ansonsten erstellt man halt Importvorlagen für jedes Objektiv, oder weist nach dem Import das richtige Profil manuell zu – wer sich mit den Möglichkeiten z.B. in Lightroom auskennt, wird auch so recht schnell zum Ziel kommen.
Nach diesem Exkurs in die wesentlichen Aspekte zur Software heutiger Objektive, nun noch einige Fakten zur Hardware…
Die Brennweite ist die wichtigste Kenngrösse eines Objektivs. Sie bestimmt den Blickwinkel und somit das Blickfeld, das auf die Abbildung passt.
Eine kleine Brennweite (z.B. 24 mm) ergibt einen weiten Winkel und somit ein grosses Blickfeld, weshalb es auch Weitwinkel genannt wird. Eine grosse Brennweite (z.B. 200 mm) ergibt einen schmalen Winkel und somit einen kleinen Ausschnitt, der auf der gleichen Bildgrösse gegenüber dem Weitwinkel stark vergrössert, oder auch „hereingezoomt“ wirkt – herangeholt oder eben „Tele“. Es ändert sich sowohl die Perspektive, wie auch die Wahrnehmung der Entfernung drastisch.
Die Brennweite ist deshalb das wichtigste Element in der Bildgestaltung, und beeinflusst somit direkt die Entscheidung, welche Objektive man wirklich braucht, und welche eher nicht. Erwähnenswert sind an dieser Stelle die Festbrennweiten: Objektive, mit denen man nicht zoomen kann. Das scheint im ersten Moment eher hinderlich, aber diese Bauart hat einige Vorteile, weil es viel weniger bewegte Linsen gibt als bei Zoomobjektiven. Dadurch werden Abbildungsfehler minimiert, und man erhält zu günstigeren Preisen eine sehr gute Bildqualität, die teilweise mit Zoomobjektiven kaum erreicht werden kann.
Jedoch muss man auch hier relativieren, denn eine günstige Festbrennweite wird nicht an ein hochwertiges Zoomobjektiv in der gleichen Brennweite herankommen – womit sich sofort die Frage stellt, ob man den Objektivwechsel vor Ort überhaupt noch braucht, bzw. ob man in eine wirklich gute (und somit nicht billige) Festbrennweite investieren will, dafür aber nicht zoomen kann. Für spezifische Zwecke kann die Festbrennweite das Beste sein, besonders im Makro- und Telebereich spielen diese Objektive ihre Vorteile voll aus, im „normalen“ Bereich zwischen Weitwinkel und leichtem Tele sind aber die Zoomobjektive wegen ihrer Vielseitigkeit eher die bessere Wahl – es sei denn Geld spielt keine Rolle ;)
Hat man sich für die Brennweite entschieden, kommt die Blende als zweite wichtige Kenngrösse zur Diskussion. Die Blende bestimmt die Öffnung im Verhältnis zur Brennweite. In diesem Zusammenhang beeinflusst sie direkt die Verschlusszeit und die Schärfentiefe. Die maximale Blendenzahl (kleinste Zahl) gibt somit direkt die kürzeste Verschlusszeit in Abhängigkeit der Brennweite und der Filmempfindlichkeit (ISO) vor.
Will man also in dunklen Lichtverhältnissen noch bewegte Motive fotografieren, braucht man eine möglichst grosse Offenblende – Für seriöse Sportfotografie beispielsweise ist f/2.8 das Minimum, hingegen könnte man eine Landschaft unter den gleichen Bedingungen mit einer viel kleineren Blende von z.B. f/11 fotografieren, weil man sowieso mit einem Stativ arbeiten würde, und auch niemand vor der Kamera herumrennen würde – eine lange Verschlusszeit wäre also egal.
Hiermit haben wir schon mal zwei Extremsituationen beleuchtet, die sich direkt auf die wichtigsten Kenngrössen eines Objektivs auswirken, nämlich 1. Brennweite und 2. Offenblende. Grundsätzlich spielen sich die üblichen Szenarien irgendwo zwischen diesen Bereichen ab – entweder man fotografiert Landschaft, da ist kaum Bewegung, man hat genug (Verschluss-) Zeit – Oder man will die Bewegung schnell bewegter Objekte wie Tiere oder Sportler auf dem Foto „einfrieren“. Je nachdem wird man sich eben z.B. ein 300 mm Tele mit f/2.8 zulegen, oder eben ein 16-35 mm Weitwinkel mit f/4.0… oder einfach ein gutes Standardzoom…
Die Möglichkeiten sind vielfältig – einige davon haben wir hier erwähnt, jedoch ist es in jedem Fall ratsam, sich vor der Anschaffung gut zu informieren. Treten Sie unserem Fotoklub bei und profitieren Sie von unseren Erfahrungen.



