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Das Stativ

Keine Fotoausrüstung ist komplett ohne Stativ. Hat man schon gut Geld in Kamera und Objektiv(e) investiert, denkt man erst mal gerne, dass man nicht auch noch ein Stativ braucht – ist es doch sowieso sperrig und mühsam zum Mitnehmen, dann wird man es ja eh kaum brauchen, schliesslich hat man nun schon eine gute Kamera und tolle Objektive, da braucht’s das doch nicht.

Früher oder später kommt dann aber mal die Erkenntnis, dass man doch öfter als gedacht die Kamera nicht so ruhig halten kann wie man möchte, und die unscharfen, verwackelten Bilder doch nicht so richtig Freude machen. Meist fragt man sich dann, ob die bisherigen Investitionen doch nicht so gut waren, oder ob man selbst was falsch macht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Verwackeln

Aber die Lösung ist ganz einfach: Ein Stativ muss her. Es ermöglicht nicht nur scharfe Aufnahmen bei beliebig langen Verschlusszeiten, sondern hilft auch sehr bei der Bildgestaltung, weil man es zuerst mal aufbaut und die Kamera in die richtige Position bringt. Man kann sich die Zeit nehmen, den besten Ausschnitt und die besten Einstellungen zu suchen.

Das tönt nun so, als sei eine Kamera auf einem Stativ komplett unbeweglich fixiert, was ja an sich auch der Grundgedanke eines Statives ist. Jedoch gibt es verschiedene Stativköpfe, die je nach Anwendungszweck die Kamera nach der Ausrichtung starr fixieren (z.B. für Landschaft, Studio), oder dem Fotografen eine stabile Plattform geben, auf der die Kamera um fixe Achsen geschwenkt werden kann (z.B. für Sport- oder Tierfotografie) – für jeden Anwendungszweck gibt es geeignete Bauarten mit entsprechenden Einstellmöglichkeiten.

Eine einfache und günstige Variante für Beweglichkeit ist das Einbeinstativ (Monopod), das einem vor allem dabei unterstützt, die Verwacklungsunschärfe zu minimieren. Bei Anlässen mit schnellen Positionswechseln (z.B. Sport etc.) kann das viel einfacher und bequemer als ein Dreibeinstativ sein, ebenso wenn man beispielsweise zu Fuss im Gelände unterwegs ist. Allerdings bietet es auch weniger Möglichkeiten als ein Dreibeinstativ (Tripod), da man die Kamera ja nur darauf abstützen, aber nicht loslassen kann.

Ein Dreibeinstativ könnte, wie Eingangs schon erwähnt, sperrig und mühsam zum Mitnehmen sein. Die erste Frage ist also, ob man es vorwiegend stationär einsetzt, also z.B. im Studio. In diesem Fall spielt weder Grösse noch Gewicht des Stativs eine Rolle, denn man wird es ja nie weit tragen müssen. Die einzigen Kriterien sind dann Stabilität und Art des Stativkopfes je nach Verwendungszweck.

Für die meisten von uns sollte sich die Anschaffung eines Stativs aber für möglichst alle zu erwartenden Situationen lohnen – und somit sollte es auch leicht mitzunehmen sein. Denn das beste Stativ nützt nichts, wenn es zuhause gelassen wird, während unterwegs die schönsten Motive warten.

Daher sollte ein Stativ, das sich für möglichst viele Zwecke eignet, folgenden Kriterien gerecht werden:

  • Es sollte möglichst leicht und zusammengepackt möglichst klein sein.
  • Es sollte sich einfach und schnell aufstellen lassen – dies in jeder Situation, also auch in unebener Landschaft – und es soll ebenso einfach und schnell wieder eingepackt sein.
  • Aufgestellt sollte es gross genug sein, um bequem damit arbeiten zu können, und vor allem so stabil wie möglich.

Diese drei Punkte widersprechen sich gegenseitig, es geht also in erster Linie darum, einen möglichst guten Kompromiss zu finden.

Der wichtigste Punkt ist dabei die Stabilität, denn es gibt nichts lästigeres, als ein zu klein oder zu schwach dimensioniertes Stativ, das die Kamera nicht richtig fixieren kann. Man sollte sich auch überlegen, welche Objektive man darauf verwenden will, denn für den Einsatz von grösseren Teleobjektiven (etwa ab 300mm f/2.8) braucht es andere Stative und Stativköpfe, als für die kleineren und leichteren Brennweiten.

Das Wichtigste ist also in jedem Fall, dass die Kamera-/Objektivkombination sicher und fest auf dem Stativ steht, und vor allem von selbst stehen bleibt. Auch wenn man sich ein paar Meter davon entfernt… hat man dann – im Wissen wie teuer es wird, falls es umkippt – immer noch ein gutes Gefühl? Wenn ja, ist es ein möglicher Kandidat.

Das mag teilweise sogar bei manch günstigem Stativ scheinbar gegeben sein, jedoch sind da meist die Stativköpfe zu ungenau gefertigt, was man sofort merkt, wenn man eine Kamera darauf befestigt: Diese hat Spiel, d.h. lässt sich etwas hin- und her bewegen. Wenn das der Fall ist: Finger weg, schade ums Geld! Besonders weil sich bei solchen Stativen nicht einfach der Stativkopf austauschen lässt, da nützt dann auch ein einigermassen stabiler Untersatz nichts.

Ein weiteres, fast noch wichtigeres Merkmal ist also, ob man eins dieser, nennen wir es mal Supermarkt-Fertigstative, oder eben ein richtiges Stativ kauft. Das lässt sich ganz leicht erkennen: Kann man einen Stativkopf seiner Wahl darauf befestigen, ist es ein richtiges Stativ. Unter den anderen Modellen gibt es wenige Ausnahmen, die man für leichtere Kameras noch empfehlen kann.

Einige von uns, mich als Verfasser dieses Artikels eingeschlossen, durften das lernen, indem wir vom günstigen Supermarkt-Fertigstativ, das nach kürzester Zeit keine Freude mehr machte und schnell kaputt ging, über das nicht mehr so günstige Modell aus dem Supermarkt, das schnell keine Freude mehr machte weil zu ungenau, beim richtigen Stativ landeten, das nun mal seinen Preis hatte.

Das soll nun nicht heissen, dass das Teuerste das Beste ist, aber gutes Material und präzise Bauteile kosten halt mehr, und deshalb wissen erfahrene Fotografen:
Wer billig kauft, der kauft zweimal!

Dieser Spruch gilt nur schon für die Stabilität, und noch viel mehr wenn auch die anderen Punkte in Betracht gezogen werden, um die es beim erwähnten Kompromiss um ein vielseitiges Stativ geht.

Nehmen wir nämlich noch das Packmass und das Gewicht hinzu, kostet ein gutes Stativ aus Aluminium um die 250.- CHF. Das gleiche Stativ aus Kohlefasern (Carbon) ist stabiler und leichter, kostet jedoch 450.- CHF. Davon gibt es noch stabilere Varianten, die auch noch kleiner und leichter sind… und entsprechend teurer. Je mehr man aber damit unterwegs ist, umso mehr wird sich diese Investition lohnen – ansonsten dürfte die Grundvariante aus Aluminium ausreichend sein.

Man sollte sich jedenfalls bewusst sein, dass man mit einem guten Stativ eine Plattform für die Zukunft kauft. Das Stativ wird man nach vielen Jahren noch gebrauchen können, auch wenn man längst viele Stativköpfe und verschiedene Kameras darauf benutzt hat. Es gibt nur wenige Ausrüstungsgegenstände, die so lange halten, wie ein gutes Stativ.
Daher kauft man besser von Anfang an das Richtige… Wer billig kauft, der kauft zweimal!

Die darauf passenden Schrauben und Anschlussplatten gibt es schon seit vielen Jahrzehnten, und die wird es auch weiterhin geben, weil sie einfach herzustellen sind und ihren Zweck bestens erfüllen. Das Zubehör ist so vielfältig, dass wir an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen werden. Zwei verschiedene Arten von Stativen und Stativköpfen haben wir oben gezeigt, am häufigsten draussen anzutreffen ist wohl das Dreibeinstativ mit Kugelkopf, weil es wohl die kompakteste und vielseitigste Kombination ist.